Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Verden

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Inhalt: Ersatzneubau des Aller-Wehres in Bannetze

Die Aller

Die Bundeswasserstraße Aller wurde in den Jahren 1908 bis 1916 im Streckenabschnitt zwischen Celle (Al-km 0,00) und der Leinemündung (Al-km 52,290) staureguliert.

Die Staustufe Bannetze

Die in den Jahren 1909 – 1912 errichtete Staustufe Bannetze liegt bei Aller-Fluss-km 26,675 und ist die zweite Staustufe der Aller unterhalb von Celle.

Ansicht der Staustufe in Fließrichtung der Aller

Zur Staustufe gehören zudem die Sportbootumtragestelle am linken Ufer des Wehrarmes, der nordwestlich verlaufende Schleusenkanal mit der Schiffsschleuse (Nutzlänge 159,0 m, Nutzbreite 10,0 m) und den Schleusenvorhäfen, ein Be- und Entwässerungs-Grabensystem rechts und links der Staustufe mit Brücken u. Durchlässen, ein Schleusenwohngebäude und ein Lagergebäude.

Ansicht der Staustufe in Fließrichtung der Aller
Ansicht der Staustufe in Fließrichtung der Aller, rechts die Schleuse mit Schleusenkanälen, links das Wehr.

Die Wehranlage Bannetze
Die Wehranlage mit einer Gesamtdurchflussbreite von 37,50 m besteht aus einem 19,50 m breiten Wehrfeld mit 5 Hakendoppelschützen auf der rechten Wehrarmseite

rechtes Wehrfeld

linkes Wehrfeld

rechtes Wehrfeld

linkes Wehrfeld

und einem 18,00 m breiten Wehrfeld mit ca. 185 hölzernen Nadeln, gelagert gegen Nadellehnen und Sohlanschlag, auf der linken Wehrarmseite.
Die obere Nadellehne ruht auf 3 Nadelböcken und den zugehörigen Wehrpfeilern.

Ferner gehören zur Wehranlage ein Fischpass mit (2 Reihen a` 4 Becken) und eine Aalleiter aus einem hölzernen Kastenprofil, beides integriert in den rechten Landpfeiler. Ein Wehr- bzw. Bedienungssteg dient als Zugang zu den Schützantrieben. Der Steg ist im rechten Wehrfeld gleichzeitig Fahrweg des elektrischen Antriebsmotors der Hakendoppelschütze. Der Elektromotor wird über Schienen vor die einzelnen Schützantriebe geschoben und mit dem mechanischen Antrieb verbunden.

Im linken Wehrfeld ist der Steg die Arbeitsbühne für das manuelle Setzen oder Ausbauen der hölzernen Nadeln. Der Steg liegt in diesem Wehrfeld 87 cm tiefer als im rechten Wehrfeld, um die Länge der hölzernen Nadeln und somit das Nadelgewicht zu reduzieren. Ferner ermöglicht der Steg Fußgängern und Radfahrern den Übergang zur Schleuseninsel.

Mit den Stauverschlusselementen wird das festgelegte Stauziel gehalten. Der Wasserabfluss erfolgt durch Unterströmen der Verschlusskörper im rechten Wehrfeld (Hakendoppelschütze) und durch die Zwischenräume zwischen den hölzernen Wehrnadeln im linken Wehrfeld. Im Hochwasserfall oder bei entsprechenden Abflussmengen in den Wintermonaten werden die hölzernen Nadeln des linken Wehrfeldes gezogen. Da die hölzernen Nadeln und die Hakendoppelschütze nicht auf Eisdruck ausgelegt sind, wird der Stau im Winter generell gelegt (ca. Mitte Dezember bis Ende Februar).

Schnitt linkes Wehrfeld

Schnitt rechtes Wehrfeld

Schnitt rechter Pfeiler

Schnitt linkes Wehrfeld

Schnitt rechtes Wehrfeld

Schnitt rechter Pfeiler

Zustand der Altanlage

Nach nahezu 100-jähriger Betriebszeit der Anlage ist die Bausubstanz laut gutachterlicher Stellungnahme derart abgenutzt, dass ein Versagen der Stauverschlüsse (Griesständer, Haken-doppelschütze und Nadelböcke) und damit der Wehranlage nicht mehr auszuschließen ist. Die wirtschaftlichste Lösung zum Erhalt des Stauziels in Bannetze ist der Neubau der Wehranlage mit einem robusten Stauverschluss nebst einfacher und zuverlässiger Steuerung.
Durch die Aller in Bannetze fließen in einem trocknen Sommer ca. 3,5 m3 Wasser pro Sekunde. Wenn das Flussbett der Aller in Bannetze bordvoll gefüllt ist, fließen ca. 65,0 m3/sec ab. Bei Hochwasser und ausgeuferter Aller können ca. 405,0 m3/sec abfließen. Diese Zahlen verdeutlichen die Bandbreite des Abflusses in Bannetze und damit verbunden die Vielzahl der Steuerbewegungen der Stauverschlüsse, die einen konstanten Wasserstand vor dem Wehr halten müssen.

Die neue Wehranlage Bannetze
(Anmerkung: alle nachfolgenden Fotoaufnahmen stammen vom Neubau des Allerwehres Marklendorf)

Die Wehranlage wird mit Schlauchverschlüssen analog den Verschlüssen des Allerwehres Marklendorf ausgestattet. Folgende Parameter müssen eingehalten werden:

Das neue Wehr wird aus zwei Wehrfeldern von je 24.48 m Breite in Höhe der Pfeileroberkante und 21,08 m im Bereich der Vorbodensohle (NN + 26,50 m) bestehen. Die Wehrfeldbreite sowie die Geometrie der Wehrschwelle und -pfeiler wurden durch Modellversuche optimiert.

Querschnitt des Wehres

Querschnitt des Wehres

Sohle

Innerhalb einer Spundwandbaugrube wird eine Schwergewichtssohle aus Unterwasserbeton hergestellt. Auf diesen Beton wird die Wehrsohle in einer den Modellversuchsergebnissen entsprechenden Form kraftschlüssig aufgesetzt. Auf dieser Wehrsohle wird der Schlauchverschluss mit 2 Klemmschienen befestigt.
Im Betonkörper der Wehrsohle sind die Befüll- und Entleerungsrohrleitungen für die Steuerung der Schlauchverschlüsse eingebaut. Zusätzlich werden für die grundnahen abwandernden Fische Schlupfrohre in den Sohlenbeton eingelegt.

Bewehrung der Sohle

Fertige Sohle

Bewehrung der Sohle

 Fertige Sohle

Pfeiler

Die Wehrpfeiler werden in die Wehrsohle eingebunden und haben 3:1 geneigte Seitenwände. Die Vorderkante der Pfeiler erhält auf der oberstromigen Seite ebenfalls eine Neigung von 3:1 und eine kreisförmig ausgerundete Anströmfläche. Am rechten Allerufer (im Bereich der Schleuseninsel) werden neben dem Wehrpfeiler die Steuerschächte für die Schlauchverschlüsse angeordnet.

Bewehrung des Mittelpfeilers

Fertiger Pfeiler

Bewehrung des Mittelpfeilers

Fertige Pfeiler

Schlauchverschluss

Beide Wehrfelder erhalten einen Schlauchverschluss. Es kommen dabei wassergefüllte Schläuche zur Ausführung. Die Schlauchmembran besteht aus einem gewebeverstärkten Elastomer. Sie wird über zwei Klemmleisten mit der Wehrsohle und den Wehrpfeilern verbunden. Über diese Leisten werden die auf den Schlauch wirkenden Lasten gleichmäßig an das Massivbauwerk abgegeben.
Im Winter wird ein Einfrieren der Wasserfüllung durch ständiges Umwälzen und Zugabe von wärmerem Wasser verhindert.

Rohrleitungssystem in der Wehrsohle (vor der Betonage)

Fertige Wehranlage

Bewehrung des Mittelpfeilers

Fertige Wehranlage

Wehrsteg

Der neue Wehrsteg ermöglicht den niveaugleichen Übergang über den Wehrarm Bannetze zur Schleuseninsel. Durch Angleichen der Höhe des linken Wehrpfeilers entfällt der jetzt vorhandene Höhensprung im Bereich des Steges.
Der Wehrsteg besteht aus zwei Überbauten mit einer Spannweite von je 24,35m, einer lichten Breite von 1,50 m und einer Geländerhöhe 1,10 m.

Fischpass

Die neue Fischwanderanlage beinhaltet neben der klassischen Aufstiegsanlage auch eine separate Abstiegsanlage in der neuen Wehrfeldsohle. Somit können die Fische das Wehr in beide Richtungen passieren.
Es ist geplant, die Aufstiegsanlage ähnlich wie die an der Wehranlage in Marklendorf in zwei Abschnitte zu unterteilen. Der vordere Abschnitt (in Fließrichtung) soll als offenes Trapezgerinne mit einzeln eingesetzten Störsteinen ausgeführt werden. Im Anschluss an dieses möglichst naturnah gestaltete Gerinne wird ein technischer Abstieg aus einem Betongerinne mit Querriegeln aus Natursteinen als Beckenpass erstellt. Dieser mündet wehrnah unter 45 Grad wieder in die Aller.
Um Jungaalen den Aufstieg zu ermöglichen, sollen in die neuen Wehrpfeiler Rohre mit Bürsten als Aalleiter eingebaut werden. Die Rohre haben einen Durchmesser von DN 300 mm. Der Einstieg im Oberwasser ist dabei trichterförmig ausgebildet.

Lageplan des geplanten Fischpasses

Lageplan des geplanten Fischpasses

Das Abstimmungsverfahren mit den Trägern öffentlicher Belange zur Ausgestaltung des Fischpasses ist noch nicht abgeschlossen.